Alte römische Liturgie

Die seit längerem erwarteten Umsetzungsrichtlinien für das Motu Proprio „Summorum Pontificum“, mit dem Papst Benedikt 2007 den Gebrauch der alten Form der römischen Liturgie wieder breit ermöglichte, sind inzwischen erschienen. Was von vielen als „Alte“ bzw. als „Tridentinische“ Messe bezeichnet wird, heißt korrekt „außerordentliche Form des (einen) römischen Ritus“. Die Instruktion heißt „Universae Ecclesiae“ und wird in sieben Sprachen veröffentlicht, darunter Deutsch. Erarbeitet wurden die Richtlinien von der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, die im Vatikan für Gespräche mit traditionsverbundenen Gruppen in- und außerhalb der katholischen Kirche zuständig ist.

Imprimatur wird in der nächsten Nummer näher darauf eingehen

Hier ein erster Kommentar:

Provokation des Papstes
von Joachim Frank

Niemand sollte glauben, es gehe hier allein um Ästhetik, Tradition und mystifizierende Riten. Dass Papst Benedikt XVI. der alten lateinischen Messe Zug um Zug größeren Raum schafft, ist vielmehr ein Politikum. Der „tridentinische Ritus" transportiert ein streng hierarchisches, klerikales Kirchenmodell und eine von Neuzeit und Aufklärung gänzlich unbeleckte Theologie. Aus gutem Grund hatte das Zweite Vatikanische Konzil in den 1960er Jahren eine Neuordnung beschlossen, die der Papst ein ums andere Mal unterläuft. Eine Provokation ist sein Argument, die alte Messe werde zunehmend nachgefragt. Seit wann richtet sich Rom nach den Wünschen der Gläubigen? Und ginge es um schiere Zahlen, müsste Benedikt schleunigst ganz andere Neuerungen anordnen. Stattdessen dokumentiert er seine Distanz zu den Konzilsreformen insgesamt. Nicht umsonst ist die tridentinische Messe das Lieblingssymbol der Reaktionäre und Traditionalisten in der katholischen Kirche. Deren Bild wie bei einem Screenshot historisch einzufrieren - das ist das Gegenteil eines lebendigen Verständnisses von Tradition.

Joachim Frank
in Frankfurter Rundschau, 15./16. Mai 2011


© imprimatur November 2011
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